Applaus, Applaus – für diesen Eiertanz
Wahrscheinlich ist es alle vier Jahre so, aber dieses Mal kommt er mir besonders extrem vor: dieser unglaubliche Eiertanz zur Bundestagswahl. Da sind auf der einen Seite die Politiker, die vor lauter Diplomatie aus dem Eiern gar nicht mehr rauskommen: bloß keine Koalition mit der Partei in Erwägung ziehen, die zu 95 % mit dem gleichen Wahlprogramm aufwartet wie man selbst. Schließlich würde man dann mindestens genauso viele Wählerstimmen verlieren wie gewinnen. Wo kämen wir denn da hin?

Und auf der anderen Seite jene Wahlberechtigten, die zwar bereit sind, ihr „unf***ingfassbares Wahl-O-Mat-Ergebnis“ im Sozialen Netzwerk zu posten, nicht aber, diesem in der Realität zu folgen. Klar sagen DIE eigentlich das Richtige, aber ich muss doch strategisch wählen, kann doch nicht DIE wählen. Wo kämen wir denn da hin?

Wenn man sich die aktuelle Wahlprognose so anschaut, könnte man meinen, wir leben in einem Land voller reicher, homophober Egoisten. Seltsamer- und gleichsam glücklicherweise jedoch begegnet mir persönlich in meinem Alltag größtenteils das Gegenteil.

Nichtsdestotrotz bin ich dankbar, an diesem Eiertanz teilhaben zu dürfen. Denn nicht zur Wahl zu gehen ist für mich gleichbedeutend mit: denjenigen Menschen volle Elle in die Fresse zu schlagen, die jeden verdammten Tag auf die Straße gehen und alles riskieren, um auch nur annähernd so demokratisch wählen zu dürfen wie wir.

Und wenn sich die Bundestagswahl doch so ganz BTW über ihre Abkürzung in die Herzen der jungen, netzaffinen Wahlberechtigten zu schleichen versucht, sollten doch gerade diese Eiertänzer von morgen die Entscheider von heute sein. Und wie fantastisch wäre es dann noch, wenn ihr Tellerrand schon heute ein wenig weiter reichte als die Koordinaten von Mamas und Papas Stammkreuzchen auf dem Wahlzettel …