Nett sein ist so schön - aber auch egoistisch
Es macht so viel Spaß, nett zu sein. Ja, ich gebe zu, ich bin Idealistin. Ich verabscheue Waffen, Krieg und Streitereien in jeglicher Form. Aber nicht aus reiner Selbstlosigkeit oder aus reinem Gutmenschentum - wie es mir häufig in Form sehr überschwänglicher Komplimente unterstellt wird. So selbstlos bin ich gar nicht. Vielmehr ist es doch deutlich einfacher und angenehmer, als netter Mensch durchs Leben zu gehen. "Wie du in den Wald hineinrufst..." stimmt nämlich in den meisten Fällen wirklich.

Gut, ich habe vielleicht das Glück, dass ich weder Neid noch Missgunst als ausgeprägte Charaktereigenschaften in mir beherberge, somit fällt es mir nicht schwer, auch zu vermeintlich privilegierteren (sei es bezogen aufs Geschlecht, Gehalt, Gesicht oder Geschick) Menschen nett zu sein. Stattdessen ist bei mir ein sehr, sehr ausgeprägtes Helfersyndrom zu verzeichnen, aber selbstlos ist mein Handeln deshalb noch lange nicht. Eigentlich sogar egoistisch. Denn ich handle ja, um mein Bedürfnis nach Harmonie, um mein Gerechtigkeitsempfinden ins Gleichgewicht zu bringen. Und das entspricht zufällig einem allgemein gültigen ethischen Anspruch.

Damit möchte ich keinen Freibrief ausstellen für Asoziale, Mörder, Vergewaltiger, Sadisten oder Selbstjustizler. Denn diese handeln ja wahrscheinlich auch nur, wie sie handeln, weil sie irgend etwas in sich damit ins Gleichgewicht bringen. Mitnichten!!! Ich möchte mich nur etwas heruntergeschraubt wissen, was die Lobpreisung meiner wohltätigen Aktionen angeht - obwohl ich mir natürlich letztendlich wünsche, dass alle so handeln würden wie ich ;-)