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Fragen an ... Mario Barth
Lieber Mario Barth,
ich habe letztens ein Interview mit Dir gesehen und muss ganz ehrlich sagen: sehr sympathisch. Nein, wirklich, Du hast einen äußerst intelligenten und authentischen Eindruck gemacht (Du malst? Cool!). Nichtsdestotrotz bin ich wütend. Ja, genau, die alte Leier: wegen Deines Mann-Frau-Gedöns. Aber nicht, wie Du jetzt vielleicht denkst. Ich find’s nicht sexistisch. Und nein, auch nicht flach, bescheuert oder gähnend langweilig. Humor ist doch Geschmackssache! Ich würde mir auch niemals anmaßen, zu behaupten, dass nach 20.000 Gags zu diesem Thema das Ganze ausgereizt sei – mitnichten! Erstens würdest Du mir – zu Recht – sofort einen renommierten Statisten … äh -tiker vorbeischicken, der mir Deine Guinness Buch bestätigten Besucherzahlen vor die Füße knallte und zweitens geht es mir auch überhaupt nicht darum – im Gegenteil: Es ist noch nicht GENUG der Aufklärung!
Altaaaa, hör verdammte Axt auf, so maßlos zu untertreiben. Das sind doch allerhöchstens UnterschiedCHEN und KonfliktLEIN, über die Du Dich da – Hihihi – kaputtlachst. Kennste? Kennste? Jaaaaaa, verdammt, kenn’ ich! Als ob Männer sich tatsächlich fragen, was es damit auf sich hat, wenn Frauen „nur Haare“ machen. Bullshit! Genau wie Du freuen sie sich einfach über den Anblick der unbekleideten, über die Wanne gebeugten Freundin.
Wir brauchen echte Antworten, Mario! Bitte! Ich zum Beispiel zu folgendem, in meinen 30 Lebensjahren nie eruierten Phänomen: Warum zum Geier pfeifen, glucksen, grunzen, brunzen, schnalzen und oh-là-là-en Männer geradezu jeder halbwegs in ihr Beuteschema passenden Frau hinterher? Ich frage das nicht mit Empörung, geschweige denn irgendeinem emanzipatorischen Unterton. Tatsächlich geht es mir ausschließlich um die Sinnhaftigkeit des Ganzen, das wirkliche Ziel. Denn, lieber Mario, Du wirst mir doch recht geben: Nehmen wir den unrealistischsten aller Fälle an und die Frau hat tatsächlich Interesse an der Pfeife da auf dem Gerüst oder da drüben auf der anderen Straßenseite – WAS SOLL SIE TUN? Wie antwortet man auf ein solches … ähm … Geräusch? Vor allem dann, wenn man des Pfeifens durch zwei Finger hindurch nicht mächtig ist?
Eine Reaktion auf diese Gebärde kann also nicht das erwünschte Ziel sein. Aber was ist es dann? Vielleicht teilt die Pfeife den anderen – denn meist treten diese Männer im Rudel auf – mit, dass jenes Objekt seiner Idealvorstellung von einem Stück Fleisch doch sehr nahe kommt. So als kleiner, unauffälliger Wink, falls ihn seine Homies mal mit einer Stripperin, Gummidame oder Ähnlichem überraschen wollen. So wie mancher Juwelier hinter vorgehaltener Hand über das weibliche Geschlecht berichtet, es stoße mitunter gezielt gesetzte Ahs und Ohs aus, um den begleitenden Mann ganz dezent auf das ein oder andere Schmuckstück hinzuweisen, falls er sie mal mit ein paar Ohrringen, einem Collier oder Ähnlichem überraschen wollte. Ja, genauso muss es sein.
Aber ist es dann überhaupt ein Wunder, dass es in unserem Alltag nur so wimmelt von Missverständnissen? Dass die Leute Dir die Stadien einrennen, um Antworten zu erhalten, lieber Mario? Über Jahrtausende haben wir uns ein so praktisches Ausdrucksmittel wie die Sprache angeeignet – und was tun wir? Gebärden uns gegenüber dem anderen Geschlecht wie Steinzeitmenschen, um uns später unter unseresgleichen – dann natürlich in deutlichen und zusammenhängenden Sätzen – darüber aufzuregen, dass wir nicht verstanden werden. Ich hoffe sehr, Mario, Du kannst hier Abhilfe schaffen. Vielleicht zunächst mit einem weiteren Buch („Geräusch Mann – Wort Frau“ oder so) oder einfach mit dem passenden Grunzlaut. Vielleicht versteh ich’s ja dann.
Bis dahin halte ich mich an die einst in der Universität aufgesogenen Worte eines klugen Professors, der da sprach: „Kommunikation ist mehr als gemeinsames Geräuschemachen“ und verbleibe mit allerherzlichsten Grüßen,
Deine Miss Trallafitti
miss trallafitti am 04. August 13
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