Mittwoch, 12. Juni 2013
Nett sein ist so schön - aber auch egoistisch
Es macht so viel Spaß, nett zu sein. Ja, ich gebe zu, ich bin Idealistin. Ich verabscheue Waffen, Krieg und Streitereien in jeglicher Form. Aber nicht aus reiner Selbstlosigkeit oder aus reinem Gutmenschentum - wie es mir häufig in Form sehr überschwänglicher Komplimente unterstellt wird. So selbstlos bin ich gar nicht. Vielmehr ist es doch deutlich einfacher und angenehmer, als netter Mensch durchs Leben zu gehen. "Wie du in den Wald hineinrufst..." stimmt nämlich in den meisten Fällen wirklich.

Gut, ich habe vielleicht das Glück, dass ich weder Neid noch Missgunst als ausgeprägte Charaktereigenschaften in mir beherberge, somit fällt es mir nicht schwer, auch zu vermeintlich privilegierteren (sei es bezogen aufs Geschlecht, Gehalt, Gesicht oder Geschick) Menschen nett zu sein. Stattdessen ist bei mir ein sehr, sehr ausgeprägtes Helfersyndrom zu verzeichnen, aber selbstlos ist mein Handeln deshalb noch lange nicht. Eigentlich sogar egoistisch. Denn ich handle ja, um mein Bedürfnis nach Harmonie, um mein Gerechtigkeitsempfinden ins Gleichgewicht zu bringen. Und das entspricht zufällig einem allgemein gültigen ethischen Anspruch.

Damit möchte ich keinen Freibrief ausstellen für Asoziale, Mörder, Vergewaltiger, Sadisten oder Selbstjustizler. Denn diese handeln ja wahrscheinlich auch nur, wie sie handeln, weil sie irgend etwas in sich damit ins Gleichgewicht bringen. Mitnichten!!! Ich möchte mich nur etwas heruntergeschraubt wissen, was die Lobpreisung meiner wohltätigen Aktionen angeht - obwohl ich mir natürlich letztendlich wünsche, dass alle so handeln würden wie ich ;-)



Wie gesagt, weiß ich – ganz ehrlich gesagt – gar nicht, warum, aber voll Bescheid!
Wie gesagt, ich erwisch mich ja immer wieder selbst dabei, wie ich durchaus sinnhafte Satzbausteine völlig inflationär als leere Worthülsen benutze. Warum zum Beispiel beginne ich ein Gespräch – oder sogar einen Blog-Artikel – mit „wie gesagt“? In einem Moment, wo es situationsbedingt völlig unmöglich ist, bereits über jenes oder irgendein anderes Thema debattiert zu haben? Ich weiß es – ehrlich gesagt – nicht.

Und warum betone ich meine Aussagen mit „ehrlich gesagt“? Was denn sonst? Ist jeder Satz, in dem ich nicht extra sage: „ganz ehrlich“ oder: „Achtung, jetzt kommt ein Statement mit Wahrheitsgehalt“, gelogen? Nun, wenn man überlegt, dass laut wissenschaftlicher Studien (bestimmt zu 100 % ganz ehrlich verlässlich) jeder Mensch rund 200 mal am Tag lügt, wäre solch ein Indikator wahrscheinlich wirklich angebracht. Aber – ganz ehrlich jetzt – glauben wir einen Satz, der so eingeleitet wird, tatsächlich eher? Ich habe da vielmehr so ein akutes Gefühl von: Aha, wenn der das so herausstellen muss, dann ist es garantiert geflunkert.

Und was ist mit „Aber das Geilste war …“ oder „Oh Gott, das hab ich noch gar nicht erzählt …“? Sind solche Einleitungen nicht auch meist Ausdruck reiner Effekthascherei? Nun, das mag sein, stört mich aber nicht. Schließlich legt sich der Redende selbst ein Ei ins Nest, denn wenn jetzt nicht wirklich etwas Superlativ würdiges kommt, dann verliert er direkt an Glaubwürdigkeit und spätestens, wenn er das nächste Mal eine Story einleitet mit „Du ahnst nicht, was gestern passiert ist …“, dann weiß ich schon, was mich erwartet – und vor allem, was nicht.

Aber was ist von den Wahrheitsbekundlern und den – natürlich: bereits erwähnten – Wir-haben-ja-schon-einmal-darüber-gesprochen-Unterstellern zu halten? Schließlich erwische ich mich selbst ständig dabei und frage mich dann ernsthaft, warum? Also, nicht warum ich mich dabei erwische, das wär ja total schizophren. Ich frage mich einfach, was ich (oder wir beide) wohl damit bezwecke(n) …