Dienstag, 17. September 2013
Applaus, Applaus – für diesen Eiertanz
Wahrscheinlich ist es alle vier Jahre so, aber dieses Mal kommt er mir besonders extrem vor: dieser unglaubliche Eiertanz zur Bundestagswahl. Da sind auf der einen Seite die Politiker, die vor lauter Diplomatie aus dem Eiern gar nicht mehr rauskommen: bloß keine Koalition mit der Partei in Erwägung ziehen, die zu 95 % mit dem gleichen Wahlprogramm aufwartet wie man selbst. Schließlich würde man dann mindestens genauso viele Wählerstimmen verlieren wie gewinnen. Wo kämen wir denn da hin?

Und auf der anderen Seite jene Wahlberechtigten, die zwar bereit sind, ihr „unf***ingfassbares Wahl-O-Mat-Ergebnis“ im Sozialen Netzwerk zu posten, nicht aber, diesem in der Realität zu folgen. Klar sagen DIE eigentlich das Richtige, aber ich muss doch strategisch wählen, kann doch nicht DIE wählen. Wo kämen wir denn da hin?

Wenn man sich die aktuelle Wahlprognose so anschaut, könnte man meinen, wir leben in einem Land voller reicher, homophober Egoisten. Seltsamer- und gleichsam glücklicherweise jedoch begegnet mir persönlich in meinem Alltag größtenteils das Gegenteil.

Nichtsdestotrotz bin ich dankbar, an diesem Eiertanz teilhaben zu dürfen. Denn nicht zur Wahl zu gehen ist für mich gleichbedeutend mit: denjenigen Menschen volle Elle in die Fresse zu schlagen, die jeden verdammten Tag auf die Straße gehen und alles riskieren, um auch nur annähernd so demokratisch wählen zu dürfen wie wir.

Und wenn sich die Bundestagswahl doch so ganz BTW über ihre Abkürzung in die Herzen der jungen, netzaffinen Wahlberechtigten zu schleichen versucht, sollten doch gerade diese Eiertänzer von morgen die Entscheider von heute sein. Und wie fantastisch wäre es dann noch, wenn ihr Tellerrand schon heute ein wenig weiter reichte als die Koordinaten von Mamas und Papas Stammkreuzchen auf dem Wahlzettel …



Samstag, 14. September 2013
Widerliche Wesen
Die wie eine einzige, schmierige gallertartige Masse durchs Leben wabern,
aus jedem offenen Blick, aus jedem freundlichen Wort Energien saugen
und weiter wachsen in ihrem Glibber.

Die in Sekundenschnelle eine Haut entwickeln können, härter als der stärkste Felsen,
um jeden noch so schwachen, dem Selbst unähnlichen Reiz abzuwehren
und weiter wachsen in ihrer Stumpfheit.

Deren Oberfläche bis in die Innereien reicht,
ohne sich in Temperatur, Konsistenz oder Farbe zu verändern
und daher kein Innerstes zulässt.

Ich wünschte, ich könnte Euch meiden, aber Ihr seid zu viele!



Sonntag, 4. August 2013
Fragen an ... Mario Barth
Lieber Mario Barth,

ich habe letztens ein Interview mit Dir gesehen und muss ganz ehrlich sagen: sehr sympathisch. Nein, wirklich, Du hast einen äußerst intelligenten und authentischen Eindruck gemacht (Du malst? Cool!). Nichtsdestotrotz bin ich wütend. Ja, genau, die alte Leier: wegen Deines Mann-Frau-Gedöns. Aber nicht, wie Du jetzt vielleicht denkst. Ich find’s nicht sexistisch. Und nein, auch nicht flach, bescheuert oder gähnend langweilig. Humor ist doch Geschmackssache! Ich würde mir auch niemals anmaßen, zu behaupten, dass nach 20.000 Gags zu diesem Thema das Ganze ausgereizt sei – mitnichten! Erstens würdest Du mir – zu Recht – sofort einen renommierten Statisten … äh -tiker vorbeischicken, der mir Deine Guinness Buch bestätigten Besucherzahlen vor die Füße knallte und zweitens geht es mir auch überhaupt nicht darum – im Gegenteil: Es ist noch nicht GENUG der Aufklärung!

Altaaaa, hör verdammte Axt auf, so maßlos zu untertreiben. Das sind doch allerhöchstens UnterschiedCHEN und KonfliktLEIN, über die Du Dich da – Hihihi – kaputtlachst. Kennste? Kennste? Jaaaaaa, verdammt, kenn’ ich! Als ob Männer sich tatsächlich fragen, was es damit auf sich hat, wenn Frauen „nur Haare“ machen. Bullshit! Genau wie Du freuen sie sich einfach über den Anblick der unbekleideten, über die Wanne gebeugten Freundin.

Wir brauchen echte Antworten, Mario! Bitte! Ich zum Beispiel zu folgendem, in meinen 30 Lebensjahren nie eruierten Phänomen: Warum zum Geier pfeifen, glucksen, grunzen, brunzen, schnalzen und oh-là-là-en Männer geradezu jeder halbwegs in ihr Beuteschema passenden Frau hinterher? Ich frage das nicht mit Empörung, geschweige denn irgendeinem emanzipatorischen Unterton. Tatsächlich geht es mir ausschließlich um die Sinnhaftigkeit des Ganzen, das wirkliche Ziel. Denn, lieber Mario, Du wirst mir doch recht geben: Nehmen wir den unrealistischsten aller Fälle an und die Frau hat tatsächlich Interesse an der Pfeife da auf dem Gerüst oder da drüben auf der anderen Straßenseite – WAS SOLL SIE TUN? Wie antwortet man auf ein solches … ähm … Geräusch? Vor allem dann, wenn man des Pfeifens durch zwei Finger hindurch nicht mächtig ist?

Eine Reaktion auf diese Gebärde kann also nicht das erwünschte Ziel sein. Aber was ist es dann? Vielleicht teilt die Pfeife den anderen – denn meist treten diese Männer im Rudel auf – mit, dass jenes Objekt seiner Idealvorstellung von einem Stück Fleisch doch sehr nahe kommt. So als kleiner, unauffälliger Wink, falls ihn seine Homies mal mit einer Stripperin, Gummidame oder Ähnlichem überraschen wollen. So wie mancher Juwelier hinter vorgehaltener Hand über das weibliche Geschlecht berichtet, es stoße mitunter gezielt gesetzte Ahs und Ohs aus, um den begleitenden Mann ganz dezent auf das ein oder andere Schmuckstück hinzuweisen, falls er sie mal mit ein paar Ohrringen, einem Collier oder Ähnlichem überraschen wollte. Ja, genauso muss es sein.

Aber ist es dann überhaupt ein Wunder, dass es in unserem Alltag nur so wimmelt von Missverständnissen? Dass die Leute Dir die Stadien einrennen, um Antworten zu erhalten, lieber Mario? Über Jahrtausende haben wir uns ein so praktisches Ausdrucksmittel wie die Sprache angeeignet – und was tun wir? Gebärden uns gegenüber dem anderen Geschlecht wie Steinzeitmenschen, um uns später unter unseresgleichen – dann natürlich in deutlichen und zusammenhängenden Sätzen – darüber aufzuregen, dass wir nicht verstanden werden. Ich hoffe sehr, Mario, Du kannst hier Abhilfe schaffen. Vielleicht zunächst mit einem weiteren Buch („Geräusch Mann – Wort Frau“ oder so) oder einfach mit dem passenden Grunzlaut. Vielleicht versteh ich’s ja dann.

Bis dahin halte ich mich an die einst in der Universität aufgesogenen Worte eines klugen Professors, der da sprach: „Kommunikation ist mehr als gemeinsames Geräuschemachen“ und verbleibe mit allerherzlichsten Grüßen,

Deine Miss Trallafitti



Mittwoch, 12. Juni 2013
Nett sein ist so schön - aber auch egoistisch
Es macht so viel Spaß, nett zu sein. Ja, ich gebe zu, ich bin Idealistin. Ich verabscheue Waffen, Krieg und Streitereien in jeglicher Form. Aber nicht aus reiner Selbstlosigkeit oder aus reinem Gutmenschentum - wie es mir häufig in Form sehr überschwänglicher Komplimente unterstellt wird. So selbstlos bin ich gar nicht. Vielmehr ist es doch deutlich einfacher und angenehmer, als netter Mensch durchs Leben zu gehen. "Wie du in den Wald hineinrufst..." stimmt nämlich in den meisten Fällen wirklich.

Gut, ich habe vielleicht das Glück, dass ich weder Neid noch Missgunst als ausgeprägte Charaktereigenschaften in mir beherberge, somit fällt es mir nicht schwer, auch zu vermeintlich privilegierteren (sei es bezogen aufs Geschlecht, Gehalt, Gesicht oder Geschick) Menschen nett zu sein. Stattdessen ist bei mir ein sehr, sehr ausgeprägtes Helfersyndrom zu verzeichnen, aber selbstlos ist mein Handeln deshalb noch lange nicht. Eigentlich sogar egoistisch. Denn ich handle ja, um mein Bedürfnis nach Harmonie, um mein Gerechtigkeitsempfinden ins Gleichgewicht zu bringen. Und das entspricht zufällig einem allgemein gültigen ethischen Anspruch.

Damit möchte ich keinen Freibrief ausstellen für Asoziale, Mörder, Vergewaltiger, Sadisten oder Selbstjustizler. Denn diese handeln ja wahrscheinlich auch nur, wie sie handeln, weil sie irgend etwas in sich damit ins Gleichgewicht bringen. Mitnichten!!! Ich möchte mich nur etwas heruntergeschraubt wissen, was die Lobpreisung meiner wohltätigen Aktionen angeht - obwohl ich mir natürlich letztendlich wünsche, dass alle so handeln würden wie ich ;-)



Wie gesagt, weiß ich – ganz ehrlich gesagt – gar nicht, warum, aber voll Bescheid!
Wie gesagt, ich erwisch mich ja immer wieder selbst dabei, wie ich durchaus sinnhafte Satzbausteine völlig inflationär als leere Worthülsen benutze. Warum zum Beispiel beginne ich ein Gespräch – oder sogar einen Blog-Artikel – mit „wie gesagt“? In einem Moment, wo es situationsbedingt völlig unmöglich ist, bereits über jenes oder irgendein anderes Thema debattiert zu haben? Ich weiß es – ehrlich gesagt – nicht.

Und warum betone ich meine Aussagen mit „ehrlich gesagt“? Was denn sonst? Ist jeder Satz, in dem ich nicht extra sage: „ganz ehrlich“ oder: „Achtung, jetzt kommt ein Statement mit Wahrheitsgehalt“, gelogen? Nun, wenn man überlegt, dass laut wissenschaftlicher Studien (bestimmt zu 100 % ganz ehrlich verlässlich) jeder Mensch rund 200 mal am Tag lügt, wäre solch ein Indikator wahrscheinlich wirklich angebracht. Aber – ganz ehrlich jetzt – glauben wir einen Satz, der so eingeleitet wird, tatsächlich eher? Ich habe da vielmehr so ein akutes Gefühl von: Aha, wenn der das so herausstellen muss, dann ist es garantiert geflunkert.

Und was ist mit „Aber das Geilste war …“ oder „Oh Gott, das hab ich noch gar nicht erzählt …“? Sind solche Einleitungen nicht auch meist Ausdruck reiner Effekthascherei? Nun, das mag sein, stört mich aber nicht. Schließlich legt sich der Redende selbst ein Ei ins Nest, denn wenn jetzt nicht wirklich etwas Superlativ würdiges kommt, dann verliert er direkt an Glaubwürdigkeit und spätestens, wenn er das nächste Mal eine Story einleitet mit „Du ahnst nicht, was gestern passiert ist …“, dann weiß ich schon, was mich erwartet – und vor allem, was nicht.

Aber was ist von den Wahrheitsbekundlern und den – natürlich: bereits erwähnten – Wir-haben-ja-schon-einmal-darüber-gesprochen-Unterstellern zu halten? Schließlich erwische ich mich selbst ständig dabei und frage mich dann ernsthaft, warum? Also, nicht warum ich mich dabei erwische, das wär ja total schizophren. Ich frage mich einfach, was ich (oder wir beide) wohl damit bezwecke(n) …



Donnerstag, 30. Mai 2013
Ost-Nord-West-Gefälle
Geboren in Berlin, pubertiert an der Ostsee, nun Wahlkölnerin - sinniere ich über Beobachtungen, Gedanken und Wortklaubereien - und das garantiert ohne jeglichen Anspruch auf Stringenz.